Fr., 18.06.2021 - 13:00

Am 20. Juni ist Weltflüchtlingstag, ein Tag zu Ehren der Millionen von Flüchtlingen, Binnenvertriebenen und Staatenlosen auf der ganzen Welt. Dieser Tag ist jedoch kein Grund zum Feiern. Jahr für Jahr wird er zu einem immer besorgniserregenderem Symbol für die globalen Entwicklungen im Bereich der Zwangsvertreibung, die in einem immer alarmierenden Tempo zunehmen.

Der heute von UNHCR, der UN-Flüchtlingsorganisation, veröffentlichte Bericht zu den Global Trends 2020 verdeutlicht einmal mehr den Ernst der Lage.

Mit Blick auf den Anstieg von fast 3 Millionen Vertriebenen im Vergleich zum Vorjahr betonte Filippo Grandi, der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, die dramatische Bedeutung der Zahl auch angesichts der Ausnahmesituation:

Ich denke, es ist sehr bedeutsam, weil wir vom Jahr 2020 sprechen. Es geht um das Jahr COVID-19, das Jahr, in dem wir uns nicht bewegten, in dem wir eingeschränkt und eingesperrt waren. Und trotzdem gibt es noch drei Millionen weitere Menschen, die aufgrund von Krieg, Diskriminierung, Verfolgung und anderen Formen von Gewalt zur Flucht gezwungen wurden.

Diese Zwangsumsiedlungen, die seit neun Jahren stetig zunehmen, stellen oft eine Herausforderung für die Länder dar, die die Flüchtlinge aufnehmen. Tatsächlich leben heute 73 % der Flüchtlinge in Nachbarländern der Länder, aus denen sie geflohen sind. Die Türkei beherbergt derzeit mit 3,7 Millionen Personen die grösste Anzahl von Flüchtlingen, von denen die grosse Mehrheit vor dem Krieg in Syrien geflohen ist.

In Jordanien ist 1 von 15 Menschen auf der Flucht, im Libanon ist es 1 von 8. Dieser hohe Anteil in diesen beiden Ländern spiegelt die verheerenden Folgen des Konflikts in Syrien wider: Die Aussichten auf eine Rückkehr für die Millionen syrischer Flüchtlinge sind auch zehn Jahre nach Beginn des Konflikts noch immer nicht gegeben. Infolge der aktuellen Situation in Venezuela sind auf den Inseln Curaçao und Aruba 1 von 10 beziehungsweise 1 von 6 Menschen auf der Flucht. Insgesamt sind heute fast 4 Millionen Venezolaner im Ausland auf der Flucht, das entspricht 5 % der weltweit zur Flucht gezwungenen Menschen.

Flüchtlinge aus der DRK die nach Uganda fliehen warten in der Schlange für ihre Registrierung. © UNHCR/Rocco Nuri
Flüchtlinge aus der DRK die nach Uganda fliehen warten in der Schlange für ihre Registrierung. © UNHCR/Rocco Nuri

Zwangsvertreibung betrifft in erster Linie diejenigen, die zur Flucht gezwungen werden und dessen Trauma sie ihr Leben lang begleitet. Aber auch die Aufnahmegemeinschaften sind gefordert, für die Bedürfnisse der Flüchtlinge und Binnenvertriebenen zu sorgen. Diese Belastung wird noch dadurch verschärft, dass im Jahr 2020 86 % der weltweit vertriebenen Menschen in Entwicklungsländern Zuflucht gesucht haben, wo ihre Aussichten auf ein besseres Leben, eine weiterführende Ausbildung oder den Zugang zu einer Beschäftigung oft gering sind.

Der UN-Hochkommissar betonte ebenfalls, dass die reichen Länder mehr tun müssen, um die Ursachen der Vertreibung zu bekämpfen und sich nicht auf eine gefährliche Rhetorik über Flüchtlinge einlassen sollten:

Die Rhetorik, die wir von vielen Regierungen gehört haben, dass Flüchtlinge und Migranten schlechte Menschen sind und dass der einzige Weg, mit ihnen umzugehen, darin besteht, eine Mauer zu bauen oder sie zurück aufs Meer zu treiben, ist nicht nur moralisch abgründig und inakzeptabel, sondern auch zutiefst ineffektiv, weil diese Bewegungen in jedem Fall weitergehen werden, bis wir die Grundursachen angehen. Wir haben also nicht nur eine moralische Pflicht, sondern auch eine praktische Notwendigkeit, damit angemessen umzugehen.

Die globale Situation der Zwangsvertreibung befindet sich an einem kritischen Punkt. Es ist wichtig, dass sich die politischen Entscheidungsträger stärker für eine friedliche Welt einsetzen und dabei helfen, dauerhafte Lösungen für Vertriebene zu finden. Jede Person kann dazu beitragen, diesen Trend umzukehren, indem er oder sie sich für Flüchtlinge, Binnenvertriebene und Staatenlose einsetzt, hilft den Stimmen der 82,4 Millionen Vertriebenen Gehör zu verschaffen und UNHCR bei seiner Mission unterstützt. 

Lesen Sie hier den vollständigen Bericht "2020 Global Trends".